So, heute machen wir einen Workshop zum Thema "Schreiben leicht gemacht" nach dem Vorbild der beiden WeWo-Köche Engeler und Gut. Das Rezept:
Man nehme...
... eine dogmatische Grundhaltung (alles was vom Staat kommt, ist schlecht)
... eine hirnrissige Idee (home schooling ist viel besser)
... ein konservatives Weltbild (Mama und Grossmama gehören ins Haus und sollen sich um die Kinder kümmern)
... einige haarsträubend absurde Thesen (z.B. staatliche Förderung von Kinderkrippen und Tagesschulen ist das selbe wie die Nachwuchsförderung im Nationalsozialsmus)
... einen einzigen Fall, der das ganze Gebäude tragen soll (zwei arme Lehrer, die ihr Kind trotz pädagogischem Heimvorteil in die Schule schicken müssen)
... und unterlegt das ganze mit willkürlich gesuchten Zahlen zum Thema (Kinderzahl pro Frau und Kanton/Land, ohne den Vergleich mit dem Anteil Frauen im gebährfähgien Alter; ist der tiefe Kinderanteil im Tessin ev. mit einer Überalterung zu erklären?)
... welche nun das oben gemixte beweisen sollen (es gibt ja schon genug erwerbstätige Frauen und Mütter in der Schweiz, in dem Fall machen wir ja alles richtig)
So viel zur Traumwelt der Schreiberlinge. Wie sieht nun die Realität aus?
- In der Schweiz gibt es immer noch praktisch keine Tagesschulen und ganztägigen Betreuungsprogramme. Abgesehen von den berufstätigen Eltern, die darauf angewiesen wären, wäre es auch für die verwöhnteren Kinder eine wertvolle Erfahrung, mit anderen Kindern Zeit zu verbringen, statt am Mittag heim zu Muttern zu rennen. In welchem Zeitalter leben wir denn, dass tatsächlich noch ein System vorherrscht, wo Mütter den ganzen Tag zu Hause stehen und für ihre Kinder mittags kochen müssen.
- Kinderkrippenpläzte sind extrem rar und teuer. Das hält tatsächlich viele junge, berufstätige Frauen davon ab, Kinder zu haben (ich kenne selber viele solche Klagen).
- Der Wohlstand in der Schweiz hängt unter anderem sehr stark mit der hohen Erwerbsquote der Frauen zusammen. Wenn nun in der Folge plötzlich niemand mehr Kinder will, sollte man dann nicht die Infrastrukturen dazu zur Verfügung stellen? Abgesehen davon, dass der ganze Kinderbetreuungssektor zu einem neuen profitablen Wirtschaftszweig werden könnte.
- Die Frage ist nur, wer die Kinderbetreuung bezahlen soll und wer sie organisiert. Klar ist es schön, wenn sich Leute privat organisieren können, dann sollen sie das auch tun. Da hat die WeWo sogar recht, die Überregulierung ist völlig fehl am Platze. Es sollte für Private einfacher sein, Kinderkrippen zu errichten.
- Auch über die Kinderzulagen nach Giesskannenprinzip kann man sich streiten. Hingegen sollte Kinderkriegen kein Armutsrisiko sein und ein Kinderkrippenplatz nicht die Hälfte des Einkommens wegfressen. Dass da der Staat unterstützend eingreift, hat nichts mit Bevormundung zu tun, sondern mit einem vernünftigen Sozialstaat. Man sollte mal vergleichen, wieviel der Staat für eine Kuh und wieviel für ein Kind ausgibt, dann kann man noch mal über die sinnvolle Verteilung von Staatsgeldern diskutieren.
- Wer Kinder nicht in die Schule schicken will und das Gefühl hat, sie würden im trauten Familienkreis gerade so gut heranreifen, der nimmt in Kauf, dass verwöhnte, weltfremde Kinder von reichen Familien aufwachsen, die sich mit Leuten anderer Herkunft nicht mal unterhalten können. (Das führt dann vielleicht dazu, dass sie solche Artikel schreiben.)
Auso, Fipu und Ürsu, nehmt mal euren Finger raus. Wieviel Kinder habt ihr eigentlich? Und die Frau, ist die an den Herd gekettet?