Sonntag, Dezember 24, 2006

Viele = Wir!

Die Wortverdreher vom Dienst haben wieder mal zugeschlagen. Dass die Bildunterschriften und Aufmacher der Weltwoche nicht immer ganz zum Text passen, ist ja nicht wirklich etwas neues. Aber diesmal haben die Propagandaminister, pardon Bilduntertexter, den Vogel abgeschossen: Während Julia Timoschenko im Interview mit Roger Köppel sagt: "Viele haben die Gesetze verletzt", untertitelt die Weltwoche das Porträt von Timoschenko mit der Zeile: "Wir haben die Gesetze verletzt"!

Hallo, das ist kriminell! Sollte das ein Versehen sein oder ist es bewusste Provokation, gar Manipulation? Geht man davon aus, dass viele das Interview nicht bis zum Ende durchlesen, aber praktisch jeder die Bilder und die Unterschriften anschaut, ist das verheerende Falschinformation. Da wird jemandem ein Satz in den Mund geschoben, welchen er bzw. sie nie gesagt hat. Irgendwo hat es Grenzen, liebe Weltwoche und wenn es keine Absicht war, dann feuert mal diese(n) unfähigen Bilduntertexter(in)!

Montag, Dezember 18, 2006

Warum eine Elle keine Elle ist

Die schizophrene Veranlagung der Weltwoche zeigt sich wiedermal besonders schön in dieser Ausgabe. Sie zeigt sich meiner Meinung nach ganz besonders an den Fällen Roschacher und Matter. Die zwei Fälle:

Fall I: Bundesanwalt Roschacher verhält sich innerhalb seiner Amtsbefugnis korrekt. Das attestieren ihm immerhin 4 von 5 Rechtsexperten. Der einzige, der anderer Meinung ist, kommt aus der Ecke, aus der permanent und systmatisch gegen die Institution Bundesanwaltschaft geschossen wird und die Valentin Roschacher das Leben zur Hölle gemacht hat, seit Blocher das Justizdepartement übernommen hat. Von Gewaltentrennung hält der Herr Blocher nämlich genauso wenig wie von Kollegialität. Mit einer beispiellosen Kampagne hat die Weltwoche den Herrn Blocher beim Rauswerfen (bzw. -schreiben) des Bundesanwalts nachgeholfen.

Fall II: Swissfirst Ex-Boss Matter verhält sich innerhalb des Börsenreglements korrekt. Das attestieren ihm immerhin mehrere Gutachter. Ein paar wenige die anderer Meinung sind, ruinieren ihm aber das Geschäft, in dem sie Matter Insider-Vorwürfen aussetzen, die so nicht haltbar sind. Die Medien allen voran (Blick und NZZ am Sonntag) fahren eine beispiellose Kampagne rund um den Swissfirst-Fall und in der Folge sinkt der Aktienkurs der Swissfirst ins Bodenlose, Matter tritt zum Schutz der Firma zurück.


Nun, was lernen wir daraus? (Disclaimer: Fragetechnik von Kurt W. abgekuckt) Voreilige JournalistInnen veröffentlichen zum Teil ungeprüft Informationen von irgendwelchen Informanten, die eine gewisse Strategie verfolgen (im Falle von Roschacher die Entourage Blocher, im Falle von Matter ein enttäuschter Investor und Kunde von PR-Guru und Deltenre-Lebenspartner Sacha Wigdorovits). Sie ruinieren damit die Karrieren von Leuten, denen man juristisch und reglementarisch kein Fehlverhalten vorwerfen kann.

So weit so gut, ähnliche Fälle gab es schon genügend (siehe auch das jähe Karriereende von Botschafter Borer). Da kann man sich höchstens fragen, warum die Medien eine solche Macht ausüben können im Staate.

Interessant ist aber, wie die Weltwoche über diese Fälle richtet: In Fall II ist ein armer integerer Banker von den Medien in einer beispiellosen Kampagne ungerechtfertigt ruiniert worden. In Fall I ist hingegen ein absolut unfähiger, unkompetenter, erfolgloser Bundesanwalt (dem im Kampf gegen die Geldwäscherei permanent Steine in den Weg gelegt wurden), der Weltwoche sei Dank, endlich zurückgetreten!

Nennt man das mit gleichen Ellen messen, oder ist die rechte Elle einfach länger als die linke? Wer die Moralkeule schwingt, sollte erst mal schauen, ob er nicht im Glashaus sitzt.


P.S. Ob sich nun Matter und/oder Roschacher korrekt verhalten haben, ist nicht in meiner Kompetenz zu entscheiden, ich würde mich aber als seriöser Journalist zurückhalten, bevor ich voreilig jemanden weiss- oder schwarzwasche!

Freitag, Dezember 01, 2006

Kein Einzelfall und Premieren

Kurt Wir Zimmermann, unser aller liebster Medienkritiker, hat die Zeichen der Zeit wiedermal erkannt. Er moniert, dass die Medien aus Einzelfällen Trends und Massenbewegungen konstruieren.

Da hat er (haben sie) durchaus recht. (Nur die SVP kann das noch besser als die Medien.) Aber wie war nochmal der Artikel letzte Woche in der Weltwoche: Es gibt ein Problem mit den Ausländern aus dem Balkan, was man an den letzten Vergewaltigungsfällen ablesen kann. Aha. (Es gibt auch ein SVP-Inserat mit genau demselben Inhalt.) Hab den Artikel leider grad nicht hier, bin aber fast sicher, dass die Floskel "kein Einzelfall" so oder ähnlich auch dort vorkommt. Ein echter Medienkritiker würde sich auch nicht scheuen mal das eigene Blatt zu kritisieren. (Mal abgesehen davon, dass der Balkan etwa ein so genauer Begriff ist wie Zentraleuropa; Albaner und Slowenen haben etwa soviel gemeinsam wie Franzosen und Deutsche.)

Immerhin ein Fortschritt, dass neben dem liberalen Einheitsbrei tatsächlich so was wie diskursive Elemente in die Weltwoche Einzug halten. So ist diesmal gar zu lesen, dass es durchaus positive Fälle von Entwicklungshilfe gäbe.

Auch der Artikel zu Appenzell Innerhoden kann eigentlich als Kritik am Liberalkonservatisums gelesen werden. So schreibt der Autor, dass es eigentlich ein Witz ist, ständig über die Staatsoberen zu klagen, wenn man selbst von ihnen abhängt.

Im Titel des Artikels, in der Bildunterschrift und im Lead (und auf dem Titelblatt) wird die Kernaussage natürlich verdreht. Wie so häufig sind Titel/Lead/Bildunterschrift mit dem Inhalt des Artikels nicht übereinstimmend. Wer ist wohl für diese bewusste Täuschung zuständig? (Ich erinnere als Beispiel an den Artikel über "schwule Pfarrer", in dem eigentlich ein Ökonom zum Thema (falsche)Anreize interviewt wurde; Titel und Bild machten daraus aber einen "Warum sind Pfarrer schwul" Artikel). Diese boulevardesken Züge sind meiner Meinung nach nur peinlich.

Dafür eine positive Premiere: Urs Polterer Engeler hat wohl zum ersten Mal in seinem Leben einen POSITIVEN ARTIKEL geschrieben!!!

(Schweigeminute)

Dass er dabei implizit die anderen kritisiert ist ein schöner Kunstgriff, aber trotzdem Hut ab: endlich mal mit einem (aus seiner Sicht) positiven Beipiel zu kommen! Revolutionär! ...

Mittwoch, November 29, 2006

Mal ein Lob

Für alle, die sich fragen, warum diese Woche nichts im Blog stand, ich hatte schlicht nichts zu kritisieren.

Oder um es anders zu formulieren: Ich war überrascht, wie viele gute Artikel in dieser Ausgabe drin waren.

Mit Ausnahme vielleicht von Köppels Selbstbeweihräucherung ("Ich hab im Fall Kissinger getroffen, sogar zweimal"), die nahtlos anschliesst an den Artikel von vor ein paar Wochen ("Ich sass im Fall mit Schröder bei einem Nachtessen am selben Tisch").

Ansonsten Chapeau, liebe Weltwoche, es geht ja auch so. Bin gespannt, ob ihr das mehr als eine Woche aufrecht erhalten könnt, oder ob am kommenden Donnerstag Urs P. und Konsorten wieder lospoltern.

Freitag, November 17, 2006

Schreiben mit Engeler und Gut

So, heute machen wir einen Workshop zum Thema "Schreiben leicht gemacht" nach dem Vorbild der beiden WeWo-Köche Engeler und Gut. Das Rezept:

Man nehme...

... eine dogmatische Grundhaltung (alles was vom Staat kommt, ist schlecht)

... eine hirnrissige Idee (home schooling ist viel besser)

... ein konservatives Weltbild (Mama und Grossmama gehören ins Haus und sollen sich um die Kinder kümmern)

... einige haarsträubend absurde Thesen (z.B. staatliche Förderung von Kinderkrippen und Tagesschulen ist das selbe wie die Nachwuchsförderung im Nationalsozialsmus)

... einen einzigen Fall, der das ganze Gebäude tragen soll (zwei arme Lehrer, die ihr Kind trotz pädagogischem Heimvorteil in die Schule schicken müssen)

... und unterlegt das ganze mit willkürlich gesuchten Zahlen zum Thema (Kinderzahl pro Frau und Kanton/Land, ohne den Vergleich mit dem Anteil Frauen im gebährfähgien Alter; ist der tiefe Kinderanteil im Tessin ev. mit einer Überalterung zu erklären?)

... welche nun das oben gemixte beweisen sollen (es gibt ja schon genug erwerbstätige Frauen und Mütter in der Schweiz, in dem Fall machen wir ja alles richtig)


So viel zur Traumwelt der Schreiberlinge. Wie sieht nun die Realität aus?

- In der Schweiz gibt es immer noch praktisch keine Tagesschulen und ganztägigen Betreuungsprogramme. Abgesehen von den berufstätigen Eltern, die darauf angewiesen wären, wäre es auch für die verwöhnteren Kinder eine wertvolle Erfahrung, mit anderen Kindern Zeit zu verbringen, statt am Mittag heim zu Muttern zu rennen. In welchem Zeitalter leben wir denn, dass tatsächlich noch ein System vorherrscht, wo Mütter den ganzen Tag zu Hause stehen und für ihre Kinder mittags kochen müssen.

- Kinderkrippenpläzte sind extrem rar und teuer. Das hält tatsächlich viele junge, berufstätige Frauen davon ab, Kinder zu haben (ich kenne selber viele solche Klagen).

- Der Wohlstand in der Schweiz hängt unter anderem sehr stark mit der hohen Erwerbsquote der Frauen zusammen. Wenn nun in der Folge plötzlich niemand mehr Kinder will, sollte man dann nicht die Infrastrukturen dazu zur Verfügung stellen? Abgesehen davon, dass der ganze Kinderbetreuungssektor zu einem neuen profitablen Wirtschaftszweig werden könnte.

- Die Frage ist nur, wer die Kinderbetreuung bezahlen soll und wer sie organisiert. Klar ist es schön, wenn sich Leute privat organisieren können, dann sollen sie das auch tun. Da hat die WeWo sogar recht, die Überregulierung ist völlig fehl am Platze. Es sollte für Private einfacher sein, Kinderkrippen zu errichten.

- Auch über die Kinderzulagen nach Giesskannenprinzip kann man sich streiten. Hingegen sollte Kinderkriegen kein Armutsrisiko sein und ein Kinderkrippenplatz nicht die Hälfte des Einkommens wegfressen. Dass da der Staat unterstützend eingreift, hat nichts mit Bevormundung zu tun, sondern mit einem vernünftigen Sozialstaat. Man sollte mal vergleichen, wieviel der Staat für eine Kuh und wieviel für ein Kind ausgibt, dann kann man noch mal über die sinnvolle Verteilung von Staatsgeldern diskutieren.

- Wer Kinder nicht in die Schule schicken will und das Gefühl hat, sie würden im trauten Familienkreis gerade so gut heranreifen, der nimmt in Kauf, dass verwöhnte, weltfremde Kinder von reichen Familien aufwachsen, die sich mit Leuten anderer Herkunft nicht mal unterhalten können. (Das führt dann vielleicht dazu, dass sie solche Artikel schreiben.)



Auso, Fipu und Ürsu, nehmt mal euren Finger raus. Wieviel Kinder habt ihr eigentlich? Und die Frau, ist die an den Herd gekettet?

Freitag, November 10, 2006

Die Kirche im Dorf lassen

Nach dem langen noch ein kurzer: Natürlich muss mein Liebling Urs der Polterer dran glauben. Aber den mangelnden Zulauf der Kirche mit deren politischer Aktivität erklären zu wollen, ist schon sehr gesucht. Etwa so gesucht, wie den mangelnden Zulauf eines Grümpelturniers auf dem Lande mit der falschen Biermarke am Spielfeldrand zu begründen (ein besseres Beispiel fällt mir so spät abends grad nicht ein).

Wenn schon ist es der Mangel an Solidaritätsgedanken und Nicht-Profitdenken, welche die Leute von heute genauso von der Kirche abhält, wie auch davon, links zu wählen, oder die Asyl- und Ausländergesetze abzulehnen.

Donnerstag, November 09, 2006

Ostmilliarde: Widerspruch finden mit Philipp Gut

Folgende zwei Aussagen des Integrationsbüros (1) und des Bundesrates (2) empfindet Philipp Gut in seinem Artikel als widersprüchlich:

1. "Die Wanderungsbereitschaft aus Mittel- und Osteuropa ist insgesamt geringer als erwartet und zeigt überwiegend positive Auswirkungen. Die Arbeitskräfte aus den EU-10 helfen mit, Arbeitsengpässe auszugleichen, und sie tragen zu einer besseren Wirtschaftsleistung Europas bei."

2. "Armut, Konflikte und Chancenlosigkeit treiben viele Menschen in die Flucht oder in die Kriminalität. Durch ihre Unterstützung vor Ort schafft die Schweiz wirtschaftliche Perspektiven und bekämpft die Ursachen der Abwanderung. Dies reduziert den Einwanderungsdruck auf die Schweiz."

Nun gut, auf den ersten Blick vielleicht widersprüchlich, aber erstens sind es 2 Aussagen von 2 verschiedenen Akteuren in einem völlig anderen Kontext und zweitens mit einer jeweils anderen Problematik vor Augen:

Das Integrationsbüro stellt lediglich fest, dass die Personenfreizügigkeit sich positiv auswirkt, weil Arbeitsplätze besetzt werden können. Und dass die Wanderungsbereitschaft insgesamt nicht so gross sei, das heisst, dass nicht viele Leute zu uns kommen um hier zu arbeiten, wenn sie auch in ihrer Heimat arbeiten können.

Der Bundesrat hingegen spricht von einer völlig anderen Problematik, nämlich von Leuten, die vom Arbeitsmarkt in ihrer Heimat ausgeschlossen sind und in die Armut gedrängt werden. Länder, die einen radikalen wirtschaftlichen Umbruch erleben, haben oft noch kein ausgereiftes Sozialsystem und viele Leute bleiben bei einer Modernisierungswelle auf der Strecke. Dies wiederum führt zu Armut und Kriminalität. Ob dann diese Leute tatsächlich zu uns "flüchten", ist zwar eine andere Frage, aber darum geht es ja bei den Entwicklungsgeldern auch nicht. Die Entwicklungsgelder sollen beim Umbau des Systems helfen und dort in die Lücke springen, wo es noch keine lokalen Auffangnetze gibt. Die Probleme werden also vor Ort zu lösen versucht, bevor es zu potentiellen Flüchtlingseffekten kommt.

Natürlich kann man sich fragen, ob der Staat (und noch dazu ein auswärtiger, oder die EU insgesamt) hier eingreifen soll/muss, oder ob die aufstrebenden Länder das dank Wachstum von selbst in den Griff kriegen.

Kurzfristig werden sie aber nicht alles lösen können. Zudem haben diese Länder von der EU auch Vorgaben gekriegt und es wurde Druck aufgesetzt, damit sie ihre Märkte öffnen und liberalisieren. Nun sind aber die privaten ausländischen Investoren, die davon profitieren (darunter auch Schweizer) nicht am Aufbau von Sozialsystemen und an der Integration von "Globalisierungsverlierern" interessiert und so wird es eine Weile dauern bis entweder das Wachstum die Probleme von alleine löst (liberale Logik) oder der Staat genügend erwirtschaftet hat um ein soziales Sicherungssystem aufzubauen (sozialdemokratische Logik).

So oder so kann man von diesen Ländern nicht erwarten, dass sie einerseits unser System übernehmen, ohne ihnen andererseits auch dabei zu helfen, ein Sozialsystem und andere nötigen Infrastrukturen (Schulen etc.) aufzubauen. Es wird ihnen nämlich ein liberales System in beschleunigter Form aufgezwängt, für dessen Entwicklung das "alte" Europa viel länger Zeit hatte und dabei parallel auch die "soziale Marktwirtschaft" und Sozialpartnerschaften entwickelt hat.

Nun kann man sich allenfalls fragen, ob die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied tatsächlich zahlen muss/soll und wenn ja, wieviel. Es stände ihr als finanzkräftiges Land mit hohem Wohlstand jedenfalls gut an, auch freiwillig einen Beitrag an den Aufbau dieser Länder zu leisten.

Wollte man hingegen eine Kosten-/Nutzenrechnung des bilateralen Wegs machen und alle Leistungen (inkl. Kosten und Gewinnen und Handelsbilanzen und Zollabkommen und Verkehrsachsen und und und ) verrechnen, welche die EU und die Schweiz in ihrem Handel sich gegenseitig erbringen, würde das wohl eine etwas schwierigere Aufgabe, als die Milchbüchleinrechnung der SVP.

Was man sich da höchstens fragen muss, weshalb die Schweiz nicht einfach beitritt und sich alle diese langwierigen Verhandlungen spart, wo sie doch die meisten EU-Regelungen eh ungefragt nachvollziehen muss. Die Währung und das Bankengeheimnis behalten (wie auch GB) und ein wenig direkte Demokratie und Föderalismus (wie Dänekmark) und sonst einfach mitmachen. Obs wohl wirklich so viel teurer wäre? Und ob wir so viel Unabhängigkeit einbüssen müssten? Je länger die Schweiz wartet, desto mehr wird sie ein Beitritt jedenfalls kosten...

Ressort: beim Korrektorat gespart

- Editorial: "Vorbilder journalistischer Hatz sind die Erlegung der Hans W. Kopp und Werner K.Rey"

(wusste gar nicht, dass die Hans W. Kopp und die Werner K. Rey inzwischen eine offizille Spezies sind)

- Untertitel Seite 7: "Greifen B.K. und M.M. in die Tasten gibt's Opfer - oft unschuldigen."

(spart man beim Korrektorat, gibts mehr Fehler - oft doofen)

Wie war das nochmal mit Roschacher

Es ehrt die Herren Engeler und Baur wirklich, dass sie sich für die armen Menschen einsetzen, die von den Medien sinnlos zerrissen werden. Aber wie war das nochmal mit der gnadenlosen Kampagne, welche die Weltwoche gegen den Ex-Bundesanwalt Valentin Roschacher gefahren hat?

Müssig zu erwähnen, dass der Herr Roschacher bzw. die Institution Bundesanwaltschaft seit Blochers Amtsantritt von ihm mit miesesten Methoden sabotiert wurde (und wird). Diverse Berichte haben denn auch Roschacher schon entlastet (dem man natürlich - genau so wie auch den anderen erwähnten "Opfern" von Medienkampagnen - trotzdem Fehler vorwerfen kann).

Aus Insiderkreisen, sozusagen aus den "Vorderzimmern des Bundes(hauses)", weiss ich, dass der Fall "Blocher vs. Roschacher" noch einiges zu reden geben wird. Nun frag ich mich natürlich, warum das mediale Zerfleischen von (Blochers) ideologischen Gegnern in Ordnung ist (wie zum Beispiel auch der hartnäckige Vorwurf, Camlm-Rey hätte die Ostmilliarde am Telefon versprochen), aber das von (Blochers) Freunden (Swissfirst-Chef Matter) nicht...

Montag, November 06, 2006

Schreiben, was nicht ist

Danke NZZ am Sonntag für folgenden Beitrag:

"Urs Paul Engeler, Schreibkraft, ist etwas durcheinander. In der jüngsten Ausgabe der Weltwoche rapportierte Engeler, Farner PR habe vom Departement Couchepin einen Auftrag zur Bekämpfung der Intitative für die Komplementärmedizin erhalten, was "unhaltbar" sei. In der Tat wurde die Vergabe des PR-Auftrags, den diese Zeitung publik gemacht hat, mittlerweile von der Parlamentskommission gerügt. Allerdings ging der kritisierte Auftrag nicht an Farner PR, wie Engeler schreibt, sondern an Richterich & Partner. Nur eine bedauerliche Verwechslung des Journalisten? Richterich & Partner, das Unternehmen mit dem "unhaltbaren" Auftrag Couchepins, sollte Engeler eigentlich vertraut sein. Die PR-Firma hat beim Verkauf des Weltwoche-Verlags Jean Frey eine zentrale Rolle gespielt."

So viel zur Faktentreue... ;)

Samstag, November 04, 2006

Da lob ich mir das Magazin

Für alle, die es noch nicht getan haben: Unbedingt das Interview heute im Magazin mit Peter Sloterdijk lesen, es ist inhaltlich mehr wert als die gesamte Weltwoche-Ausgabe dieser Woche!

Es geht um sein neues Buch "Zorn und Zeit" und beschreibt wie der Stolz neben dem Eros eine der wichtigsten psychischen Konditionen des Menschen ist. Und wie der gekränkte Stolz Zorn erzeugt, wenn sich ein Mensch nicht als nützlich erweisen kann.

Ausgehend von dieser These beschreibt Sloterdijk anschliessend sehr gut die Phänomene unsere heutigen Gesellschaft. Der radikale Islamismus so wie die politischen Parteien und der Massenkonsum (inkl. die Massenmedien) fungierten als regelrechte "Zornbanken" bzw. deren Ventil. Der Frust, den ein junger Mensch verspürt, wenn er sich unnütz fühlt, kann er im radikalen Islamismus und anderen religiösen oder politischen Bewegungen rauslassen.

Da ich es mit eigenen Worten viel schlechter erklären kann, lest es doch selber nach. In diesem Interview merkt man den scharfen Intellekt eines Zeigenossen, der seine Thesen wirklich begründen kann.

Donnerstag, November 02, 2006

Es ist wenig

Voller Vorfreude habe ich mir heute am Kiosk die Weltwoche gekauft, ich erwartete ein Feuerwerk von provokativen und bewegenden Themen, aber Fehlanzeige. Sogar Engeler poltert seltsam verhalten. Da mir kein Artikel besonders erwähnenswert scheint, mache ich also ganz nach dem Vorbild von Kurt We Zimmermann eine quantitative Inhaltsanalyse mit der Methodik des Seitenauszählens und einem grobschlächtigen Kategorienraster.

Also, betrachten wir (*) erst den ersten Teil "Diese Woche", der umfasst 30 Seiten (bis zu den Leserbriefen, davon sind 2 Seiten Inhaltsverzeichnis, bleiben also 28 Seiten. Von diesen 28 Seiten sind 14(!), also die Hälfte, dem wichtigen Thema Werbung gewidmet.

Schauen wir uns nun die Hauptartikel im ersten Teil an: Von den verbleibenden 14 Seiten haben ein wenig mehr als 5 Seiten mindestens entfernt etwas mit Innenpolitik zu tun (Osthilfe-Kolumne, Schock-Erziehung, Manager-Löhne und ETH-Präsident), wobei dem "Erziehungsartikel" jeglicher Aktualitätsbezug fehlt (immerhin heisst der Teil ja "Diese Woche").

Dann haben wir noch eine Seite Ackermann-Prozess (gähn), 1.5 Seiten Prominenten-Adoptionen (gähn gähn) und 1.5 Seiten einen zugegeben fragwürdigen Prozess in Libyen, der aber auch mehr Füller-Charakter hat. Die restlichen 4 Seiten füllen die Dauerbrenner Mörgeli, Bodenmann und Zimmermann (mindestens die beiden ersteren sind unterhaltsam) und 2 Seiten "Namen" (Geschmackssache).

Also fassen wir zusammen. Von den ersten 30 Seiten (Kostenpunkt ohne Abo ca. 2 Franken) sind abzüglich Inhaltsverzeichnis:

  • 14 Seiten Werbung
  • 5.25 Seiten Innenpolitik (mehr oder weniger aktuell)
  • 1 Seite Wirtschaft/Justiz
  • 1.5 Seiten Gesellschaft
  • 1.5 Seiten Ausland (auch nicht wirklich aktuell)
  • 4 Seiten Dauerbrenner

    Im zweiten Teil "Magazin" finden wir noch ganze 2 Artikel mit politischem Bezug (Engeler und Armenien Teil 3). Wären da nicht noch der Wissenschafts-Artikel, einmal mehr zum (zugegeben spannenden) Thema 'angeboren vs. angelernt' und der Kultur-Teil, ich würde echt mein Geld zurück verlangen.

    Fazit: mager, mager, mager!

    Hoffentlich ist das nur Zufall (Herbstloch, halbe Redaktion an Grippe erkrankt, ...) und keine erste Auswirkung von Sparmassnahmen, sonst muss ich diesen Blog schneller wieder einstellen als mir lieb ist, denn dieses Heftchen ist seine 5.70 Fr. so nicht wert.


    (*) WeWo-Kenner haben gemerkt, sogar das fesche "wir" habe ich von meinem Vorbild Kurt We übernommen.
  • Geduld und ein guter Köppelkommentar

    Für alle, die gespannt auf einen Eintrag in diesem Blog warten, ich muss euch noch vertrösten. Ich bin im Büro und werde erst am Abend Zeit haben, die Weltwoche ausführlich zu lesen, der erste Kommentar kommt also spätestens morgen.

    Was ich bis jetzt schon gelesen habe, ist der Kommentar von Köppel am Anfang und den finde ich - ihr werdets nicht glauben - sowohl inhaltlich wie auch sprachlich gut!

    P.S. Das einzige, was man kritisieren könnte, dass er sich in einem zentralen Vorwurf an Calmy-Rey auf etwas stützt, "was in den Hinterzimmern des Bundes" bestätigt wird. Solche Aussagen sind schwer bis überhaupt nicht zu überprüfen, es sei denn, man hat tatsächlich Zugang zu diesen Hinterzimmern. Auch sprachlich ein originelles Konstrukt: Was bitte sehr soll ein "Hinterzimmer des Bundes" sein? Lichtenstein? Das Zimmer von Sämi Schmid's Sekretärin? Sämi Schmid selber? (Ah nein, das wär ja "Hinterwäldler des Bundes")...

    P.S.II. Ein kleines sprachliches Versehen von Philipp Gut ist mir auch schon aufgefallen (das ist jetzt wirklich kleinkrämerisch, aber typisch für die Schweiz, dass nicht mal Journalisten den Akkusativ beherrschen): "wenn er das gewusst hätte, hätte er ein (sic!) Drittel der Schüler suspendiert"... (Durchgestrichen weil mich 'gebsn' zu Recht korrigiert hat, siehe Kommentare)

    Montag, Oktober 30, 2006

    Schreiben, was ist

    Unter diesem Titel steht die erste Leitkolumne des neuen alten Chefredaktors der Weltwoche Roger Köppel. Schreiben, was ist? Das war exakt die Kernaussage einer Rede von Christoph Blocher anlässlich der Verleihung der Lokaljournalistenpreise im letzten Dezember (vgl. den Artikel im "Tages Anzeiger" vom 3.12.05 mit dem Titel "Journalisten müssen schreiben, was ist!" und die Frontseite der "Berner Zeitung" vom selben Tag). Ein purer Zufall? Wohl kaum, auch wenn keiner von beiden den Satz erfunden hat, da haben sich zwei Seelenverwandte getroffen.

    Die Kolumne von Köppel bemüht darüber hinaus (nicht zum ersten Mal) einen historischen Vergleich der aktuellen Weltwoche mit der Zeit von Weltwoche-Gründer Karl von Schumacher, in dessen Tradition man schliesslich stehe. Dass dieser Vergleich mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges mehr als hinkt, da uns nämlich weder eine Invasion von Hitler-Deutschland (wie damals 1940) noch einer anderen Grossmacht droht, ist eigentlich offensichtlich. Dass sich hingegen Köppel gerne mit Karl von Schumacher vergleicht, so wie sich sein Spezi und Gelegenheitssouffleur Blocher gerne mit Winston Churchill in eine Linie stellt, offenbart eine weitere lustige Parallele zwischen den beiden Polemikern.

    Im Gegensatz zum (Ex-)Unternehmer Blocher sollte der studierte Historiker Köppel eigentlich wissen, dass selten einfach "ist", was ist. Wirklichkeit wird immer über Wahrnehmung konstruiert und über Sprache gesteuert, definiert und interpretiert. Nicht selten entscheiden Politiker, Historiker, Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller und Chronisten, was "ist" und was nicht. Oder wie Köppels Kollege Jean-Martin Büttner (im "Tages Anzeiger" vom 8.12.05) seine Replik auf Blochers Rede treffend übertitelt hat: "Wirklichkeit ist eine Funktion der Macht"! Nur totalitäre Regime nehmen für sich in Anspruch, die einzig wahre Realität zu kennen. (In ihrem Fall mag das sogar stimmen, denn sie definieren diese ja auch und eliminieren jegliche kritische Stimme).

    So wie Bundesrat Blocher immer weiss, wie es ist und war, so weiss auch die Weltwoche als einzige, wie es ist und sieht sich als Winkelried im Kampf gegen den medialen Einheitsbrei. Zum Beispiel wenn sie Verschwörungsszenarien um einen Bundesanwalt entwirft und diesen ganz nach dem Gusto des Justizministers wegputscht. Oder wenn sie den armen Swissfirst-Chef (ebenfalls ein Spezi der Blocher-Familie) in Schutz nimmt, dem von den bösen Medien über Nacht sein wohlverdientes Geld weggeschrieben wurde. Oder wenn sie - ganz in der Tradition des Bedrohungsszenarios - weiterhin den Kampf der Kulturen herbeischreibt und die ganze islamische Welt als Teufel an die Wand malt, welche die westliche, aufgeklärte Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohe. Bei dieser ganzen Polemik, die sich teilweise nahtlos ins SVP-Parteiprogramm einfügt, geht die Ausgewogenheit oder die gründliche Recherche, also die viel beschworene Faktentreue, oft flöten. Hauptsache man hat eine knackige Schlagzeile, auch wenn diese mit dem Inhalt des Artikels wenig zu tun hat.

    Wenn der Aufruf "Schreiben, was ist" aber tatsächlich so gemeint ist, dass sich die Weltwoche künftig mehr an gut recherchierte Fakten halten will und weniger an polemisch und einseitg gefärbten Thesenjournalismus (im Stile eines Urs P. Engeler), dann freu ich mich auf einen entsprechenden Qualitätsschub. Ich würd aber dem Neu-Unternehmer Köppel dringend raten, die angeblich so hochgepriesene Unabhängigkeit zu bewahren und sich nicht als Kampfblatt der SVP und gewisser vermögender Kreise instrumentalisieren zu lassen. So dass die erste Leitkolumne nach der Ära Köppel nicht heissen muss "Wess' Brot er ass,..."!